Nische
Der Körper in Ruhe
Die Nische ist ein Raum des stillen Rückzugs, in dem die Stille in Stoffen, Ecken und im Atem spürbar wird.
Eine Frau lehnt sich an einen Vorhang, schmiegt sich an einen Stuhl oder ruht sich im Licht zwischen zwei Räumen aus. Nische bildet die taktile Beziehung zwischen dem Körper und seiner Umgebung ab – nicht als Performance, sondern als Präsenz. Es sind die privaten Theater der alltäglichen Einsamkeit, in denen ein Fensterrahmen zum Proszenium und eine Falte der Bettwäsche zur Landschaft wird.
Der Titel der Serie ist wörtlich zu nehmen. Die Figuren nehmen architektonische Nischen ein: die Vertiefung eines verzierten Holzschranks, die Tiefe einer Fensterlaibung, den Schatten unter einem Oberlicht. Sie falten sich in Ecken, als hätte der Raum Platz für sie geschaffen oder als versuchten sie, in seiner Geometrie zu verschwinden. Der Körper dominiert den Innenraum nicht, sondern geht mit ihm einen Kompromiss ein und findet Orte, an denen er Ruhe finden kann.
Alltägliche Gegenstände sammeln Bedeutung an. Schwere Vorhänge in Burgunderrot und Braun rahmen Figuren wie Bühnenvorhänge ein; Samtsessel halten Körper so fest, wie Hände Gesichter halten. Überall tauchen Katzen auf – zusammengerollt in der Nähe, vorbeilaufend, beobachtend – stille Zeugen privater Stunden. An den Wänden antwortet die Kunst: Alphonse Muchas geschmeidige Figuren, klassische Zeichnungen drapierter Frauen, Fotografien von Aktmodellen. Diese Bilder innerhalb von Bildern schaffen einen stillen Dialog, eine Mise en abyme, in der der fotografierte Körper die bereits im Raum hängenden Körper widerspiegelt.
Das Werk erinnert an Vermeers Interieurs, in denen Licht durch Bleiglasfenster fällt und Figuren in einer Schwebe zwischen Bewegung und Stille existieren. Aber Yıldırıms Räume sind abgenutzter, bewohnter – Berliner Wohnungen mit Heizkörpern und durch Glas sichtbaren Winterbäumen, italienische Villen mit rissigem Putz, anonyme Hotelzimmer unter Jugendstil-Kopfenden. Die Verletzlichkeit von Nan Goldins häuslichen Fotografien ist auch hier präsent, wenn auch sanfter, weniger bekennend. Es handelt sich nicht um Dokumente einer Krise, sondern um Aufzeichnungen der alltäglichen Intimität zwischen einem Menschen und den Räumen, in denen er lebt.
Natürliches Licht formt alles. Die Morgensonne lässt Fensterdetails verschwinden und hinterlässt nur Silhouetten, während sie am späten Nachmittag Haut und Holz gleichermaßen vergoldet. Einige Bilder sind in Schwarz-Weiß gehalten, wodurch Form und Schatten gegenüber Wärme betont werden. In anderen Bildern sind die Farben auf die Palette alter Textilien abgestimmt: Creme, Ocker, das tiefe Rot von Vorhangstoffen.
Nische enthüllt das Innere beider Räume und Emotionen. Die Zeit wird bewusst verlangsamt. Körper klammern sich an Tischkanten, als würden sie einen Gedanken festhalten; andere lösen sich in den Falten der Bettwäsche auf. Die Serie ist noch nicht abgeschlossen und wurde über mehr als ein Jahrzehnt hinweg in Privathäusern und geliehenen Räumen entwickelt. Ausgewählte Werke sind als limitierte Archivdrucke über Artsper, Saatchi Art und Artmajeur erhältlich.
Buraks jüngste Arbeiten zeigen Teile weiblicher Körperteile mit extrem hohem Kontrast und in Verschmelzung mit Textur. Seine Arbeiten, die ganze weibliche Figuren in Innenräumen zeigen, vermitteln jedoch einen Sinn für psychologische und theatralische Strategien zum Verständnis der Beziehung zwischen Figuren und Raum.
Aedra Fineart - Michael Hanna. Vollständiger Artikel: https://www.pointpleasantpublishing.net/single-post/burak-bulut-yildirim










































