Ökoton
Wo Haut auf Erde trifft
Der Körper wird zur Landschaft, die Landschaft wird zu Fleisch. Ökoton löst die Grenze zwischen Mensch und Umwelt auf.
In der Ökologie ist ein Ökoton die Übergangszone, in der zwei Ökosysteme aufeinandertreffen - Waldrand und Wiese, Uferlinie und See. Dies sind Orte der Spannung und des Austauschs, an denen eine Welt in die andere übergeht. Seit fünfzehn Jahren fotografiert Burak Bulut Yıldırım den menschlichen Körper als seinen eigenen Ökoton: den Ort, an dem Fleisch auf Erde, Wasser, Gras und Tiere trifft.
die Figuren in Ökoton posieren nicht in der Natur - sie verschmelzen mit ihr. Die Serie erforscht Schwellen: wo die Haut endet und der Boden beginnt, wo sich der Atem mit dem Wind vermischt, wo sich die menschliche Präsenz in der organischen Welt auflöst. Die Frage ist nicht, ob der Körper in die Natur gehört, sondern ob es jemals eine Trennung zwischen beiden gab.
Donna Haraways Konzept der “Naturkultur” findet hier seinen Widerhall – die Erkenntnis, dass Natur und Kultur keine Gegensätze sind, sondern tief miteinander verflochten. Der nackte Körper in der Landschaft ist niemals einfach “natürlich”, sondern immer ein kultureller Akt, ein Rahmen. Ökoton hält diese Spannung, ohne sie aufzulösen. Es handelt sich nicht um Erdgöttinnen oder pastorale Fantasien, sondern um Körper, die auf das achten, was sie umgibt: Textur, Temperatur, die Anwesenheit anderer Lebewesen.
Die Serie verweigert die traditionelle Hierarchie von Figur und Grund. Die menschliche Form ist weder dominant noch vermindert - sie ist mit ihrer Umgebung verbunden. Tiere, wenn sie auftauchen, sind keine Requisiten oder Symbole, sondern Mitbewohner, die einen Moment der Koexistenz teilen. Die Kamera privilegiert nicht den Menschen, sondern beobachtet ein Ökosystem, in dem der Körper ein Element unter vielen ist.
Ökoton wird seit fünfzehn Jahren in ganz Europa und im Mittelmeerraum kontinuierlich weiterentwickelt. Die Werke wurden ausgestellt in Landsnude (Griechenland, 2015) und während der Pandemie die Unterreihe Nur du bist nah, wenn alles weit weg ist entstanden. Ausgewählte Werke sind als limitierte Archivdrucke über Artsper, Saatchi Art und Artmajeur erhältlich.





















































