Porträt einer Figur mit leuchtender, mehrfarbiger Körperbemalung vor dunklem Hintergrund, die zart ihr Kinn berührt und ätherische Schönheit ausstrahlt.

Lucida

Lucida

Der Körper als Licht

Unter Schwarzlicht wird der Körper nicht zu Fleisch, sondern zu einer Fackel - ein Glühen, ein Echo, eine Fata Morgana. Lucida sucht die Schwelle, an der sich die Form in Strahlkraft auflöst.

Lucida Es geht nicht um Licht – es geht um Transformation. Die Serie fängt Körper ein, die sich in Leuchten, Mythos und Pigment auflösen, und erforscht die leuchtende Schwelle, an der die Sichtbarkeit selbst instabil wird. Jedes Bild ist ein Ritual, ein Übergangsritus zwischen dem Gesehenen und dem Gefühlten.

Die Serie wurde unter ultraviolettem Licht mit fluoreszierenden Körperfarben aufgenommen und markiert eine radikale Abkehr von Burak Bulut Yıldırıms architektonischen Aktkompositionen. Hier ist der Körper nicht länger eine zu dokumentierende Form, sondern eine zu aktivierende Oberfläche - eine Leinwand, auf der das Licht spielt. Die vertrauten anatomischen Orientierungspunkte lösen sich in Farb- und Lumineszenzfelder auf.

Die Serie greift auf verschiedene visuelle Traditionen zurück. Yayoi Kusamas Infinity Rooms bieten einen Präzedenzfall: Der Körper verschmilzt mit dem Muster, das Selbst vervielfältigt sich zum Kosmos. Caravaggios Chiaroscuro liefert einen weiteren: das Drama des Lichts, das aus absoluter Dunkelheit Formen herausarbeitet. Aber Lucida drängt weiter in Richtung Abstraktion. Das Fleisch wird zum Nebel, die Haut zur Leinwand. Der Körper wird nicht beleuchtet - er wird zur Quelle der Beleuchtung.

Die Bildsprache greift auf mythologische und rituelle Assoziationen zurück, ohne eine bestimmte Tradition zu illustrieren. Gesichter werden zu Masken, Körper zu Ikonen einer erfundenen Kosmologie. Die fluoreszierenden Muster verwandeln die menschliche Anatomie in etwas, das gleichzeitig altertümlich und futuristisch anmutet - in die Sprache des Neons übersetzte Stammesmarkierungen, in Phosphoreszenz wiedergegebene heilige Geometrie.

Durch die Langzeitbelichtung kommt Bewegung ins Spiel. Körper verschwimmen und vervielfältigen sich, ihre Bahnen werden in Lichtschlieren nachgezeichnet. Diese Bilder verweigern den eingefrorenen Augenblick; sie akkumulieren die Zeit und zeigen den Körper nicht als Objekt, sondern als Ereignis. Der Verweis auf die Chronophotographie von Étienne-Jules Marey wird hier in ein halluzinatorisches Register übersetzt, in dem Wissenschaft zum Ritual wird.

Das Projekt wurde im Rahmen von In Eile / Ayaküstü im VoBa & Abraham-Gumbel-Saal im Jahr 2019 und wird als fortlaufende Zusammenarbeit mit Tänzern, Performern und Körperkünstlern fortgesetzt. Ausgewählte Werke sind als limitierte Archivdrucke über Artsper, Saatchi Art und Artmajeur erhältlich.