Standbilder

Eine Motus-Unterserie

Das Objekt spricht zuerst. Der Körper antwortet.

Standbilder ist ein Gemeinschaftsprojekt des Fotografen Burak Bulut Yıldırım und der Art Directorin Meryem Aydın, das im Rahmen des Motus Serie, die sich mit Körper und Bewegung befasst.

Die Methodik ist einfach, aber präzise. Aydın wählte eine Reihe von Alltagsgegenständen aus und fotografierte sie: einen Handspiegel, einen aufgehängten Fisch, einen Schwamm, einen zerknüllten Papierball, rosa Rosen, eine geschälte Zitrone, ein altes Buch, einen dunkelroten Apfel. Jeder Gegenstand wurde dann einem von fünf zeitgenössischen Tänzern gezeigt, die darauf mit improvisierten Bewegungen reagierten – nicht mit Nachahmung, sondern mit Übersetzung, nicht mit Imitation, sondern mit Resonanz.

Die Tänzer sollten nicht wie das Objekt aussehen. Sie sollten sich wie das Objekt fühlen. Ein Fisch, der an seinem Schwanz hängt, könnte ein Gefühl der Schwebe, der Hingabe hervorrufen, den Körper gefangen zwischen Schwerkraft und Auftrieb. Ein zerknülltes Papier könnte ein Gefühl des Zusammenbruchs, der Kompression, die Erinnerung an etwas Glattes hervorrufen. Die Kamera hielt den Moment fest, in dem der innere Impuls zu einer sichtbaren Geste wurde.

Die entstandenen Werke werden als Diptychen präsentiert: Aydins Objektfotografien – karg, vor schwarzem Hintergrund, fast forensisch – gepaart mit Yıldırıms Tänzerfotografien in sanftem grauen Studiolicht. Der Kontrast ist beabsichtigt: Das Objekt existiert isoliert, eindeutig, benennbar; der Körper existiert in Beziehung, kontingent, interpretierbar. Zwischen ihnen findet ein stiller Dialog statt.

Standbilder kehrt die übliche Logik der Bewegungsfotografie um. Anstatt die Bewegung während ihres Verlaufs festzuhalten, fängt sie die Stille ein, die die Bewegung hinterlässt – die Pose, die sich aus der Improvisation herauskristallisiert, die Form, die entsteht, wenn das Gefühl seine Gestalt findet.