Anderswo
Der Körper am falschen Ort
Hier zu sein, aber nur knapp. Anderswo folgt dem Körper durch die Schatten der Stadt - unbemerkt, ungestillt, unwirklich.
Anderswo ist eine Serie über Dislokation. Sie zeigt Körper an Orten, an die sie nicht gehören oder an die sie sich nicht mehr erinnern. An den Rändern europäischer Städte - Brücken, Gassen, Kanäle, vergessene Ecken - platzieren diese Fotografien die nackte Figur nicht in der Natur oder einem Innenraum, sondern in einem dritten Raum: öffentlich und doch verlassen, vertraut und doch fremd.
Seit fast zwei Jahrzehnten fotografiert Burak Bulut Yıldırım nackte Personen in städtischen Umgebungen. Die Arbeit erforscht die unheimliche Präsenz des Körpers in Räumen, die für Handel, Verkehr und Anonymität konzipiert sind. Die nackte Figur erscheint als Unterbrechung, als eine Präsenz, die die Stadt weder anerkennt noch vertreibt. Es handelt sich nicht um Proteste oder Performances, sondern um stille Erscheinungen - Körper, die einfach da sind, wo man sie nicht erwartet.
Das Werk erinnert an Francesca Woodmans Erkundungen von verlassenen Innenräumen, in denen sich der Körper in der Architektur auflöst. Aber wo Woodman sich nach innen wandte, Anderswo wendet sich nach außen – in die Stadt, in den öffentlichen Raum. Giorgio de Chiricos metaphysische Piazzas bieten eine weitere Resonanz: diese leeren Arkaden und langgestreckten Schatten, in denen Figuren verkleinert und maßstabslos erscheinen, Besucher in ihrer eigenen Umgebung. Yıldırıms Fotografien vermitteln eine ähnliche Unruhe, wenn auch wärmer, zarter.
Die Serie bewegt sich zwischen mediterraner Wärme und nördlicher Kühle, zwischen gesättigten Farben und schwarz-weißer Strenge. Nachtszenen untermalen das Werk - Stunden, in denen die Grenze zwischen öffentlich und privat aufgeweicht wird, in denen die Stadt niemandem gehört. Die Dunkelheit ist nicht bedrohlich, sondern freizügig: eine Zeit, in der der nackte Körper ohne Publikum oder Urteil existieren kann.
Anderswo ist nicht nur ein Ort, sondern ein Zustand des Seins. Was bedeutet es, das Gefühl zu haben, dass man nicht in den Raum gehört, den man bewohnt? Die Serie fängt die Spannung zwischen privatem Akt und öffentlichem Blick, zwischen Präsenz und Verschwinden ein. Die Stadt bleibt ein stiller, gleichgültiger Zeuge.
Ausgewählte Werke sind als Archivdrucke in limitierter Auflage über Artsper, Saatchi Art und Artmajeur erhältlich.


























